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Kaffeesatzleserei an Silvester

Meine Kolumne im GT-Info Dez.19/Jan.20

Es ist ein alter Brauch, in der Silvesternacht mit Hilfe eines Orakels in die Zukunft zu schauen. Besonders beliebt war das mittlerweile verbotene Bleigießen. Zum Glück gibt es harmlose und genauso vergnügliche Alternativen. Als Bleiersatz kommt Kerzenwachs oder Lebensmittelzinn in Frage. Ganz ohne Dämpfe geht es dagegen mit alternativen Orakelformen aus Großmutters Zeiten: Karten- oder Kaffeesatzlesen. Wenn man nun nicht nur für Freunde und Familie orakelte, sondern die Zukunft unserer Stadt dabei deuten würde, was käme da zum Vorschein?

Gäbe es neben dem digitalen Aufbruch auch einen sozialen, der Armut und Wohnungsnot ernsthaft beheben möchte? Würden uns die Karten eine glaubhafte Verkehrswende mit der Aussicht auf kostengünstigen Nahverkehr und eine überzeugende Infrastruktur für ÖPNV und Radverkehr vorlegen? Zeigte der geschmolzene Wachs einen stark erhöhten Anteil der Stadtwerke an selbst erzeugten erneuerbaren Energien? Bekommen wir nach der Kommunalwahl einen deutlich jüngeren und vielfältigeren Stadtrat, einen Zukunftsausschuss und einen Stadtbürgerrat?

Ein Orakel richten sich an eine höhere Instanz mit vermutetem Weitblick. Es wird nicht sagen: Alles bleibt beim Alten.

(Foto: Stahlschmelze, Lange Nacht der Kunst 2018)

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Meine Kolumne im 2. Dezember-GT-Info

Angesichts der unübersehbaren Paket- und Päckchenlieferungen glaubt wohl kein Kind mehr, dass Weihnachtsgeschenke vom Weihnachtsmann gebracht werden. Auch das Christkind bedient sich der Bringdienste, die überwiegend im gelben Gewand durch die Straßen irren und im himmlischen Internet bestellte Waren ausspucken.

Nicht nur im Advent benutzen mich diese Himmelsboten als Knecht, denn als Pensionär bin ich fast immer zu Hause.

Es schellt: „Bei Ihrem Nachbarn ist keiner da, darf ich „das“ solange bei Ihnen parken?“ Angesichts der sich in meinem Flur stapelnden Pakete frage ich mich, ob ich diesen Dienst bis Weihnachten leisten kann. Schließlich holen die wenigsten ihre Bestellungen ab, sodass ich sie des öfteren über hundert Meter schleppen muss, ohne zu wissen, ob einer öffnen wird.

Bei einer schweren Lieferung habe ich mir unlängst eine Sackkarre ausleihen müssen. Und was tue ich bei verschickten lebenden Tieren? Öffnen, füttern?

Als ich einen DHLer gestern fragte, ob ich nicht als Teilzeitzusteller Anspruch auf einen Teil seines Lohnes habe, meinte er: „DHL heißt doch ´Du Hilfst Liefern´! So können Sie doch recht ungezwungen mit Ihren Nachbarn ins Gespräch kommen!“

Okay, wenn ich das als Belohnung ansehe, helfe ich im Advent besonders gern! Schade nur, dass bald abschließbare Lieferboxen installiert werden sollen.

(Dank an den Ideengeber und Freund: Norbert!)

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