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Neubesinnung während Corona

Wir, die eventverwöhnten Kulturbeflissenen müssen diesen Corona-Sommer auf alle größeren Ablenkungsevents verzichten: Kein Blick ins Mittelalter, kein Rock auf Wiesen, nix Donnerlüttken, keine Massenweinprobe, Totenstille freitags 18 Uhr, nicht mal kleinste dreieckige Künste, Entenrennen in der Badewanne, verschlafene Isselhorster Nacht, Bürgerbrunch auf Balkonien, ruhiges Schlafen am Kirmes-Marktplatz, Schützentrachten im Kleiderschrank, Gütersloh läuft nicht und feiert auch nicht international! Der multiple Eventler fühlt das als einen kulturell-sozialen Ausnahmezustand.

Müssen wir während des Abhandenseins von Gemeinschaft das Alleinsein und das Mit-uns-selbst-Beschäftigtsein erst noch lernen? Können introvertierte Menschen damit besser umgehen?

Anstelle von Ausgehen ist ein Insichgehen angesagt: Bücher lesen, Spiele spielen, Kochen, Sport treiben, Musik machen, Texte schreiben, Theater spielen, Tanzen, Zeichnen, Malen, Basteln, Fotografieren oder sich Entspannungstechniken hingeben, … nur nicht zu viel putzen! Sinnbildlich sagte der weiße Adler der Hopi-Indianer in seiner Märzbotschaft: „Nutze die Gelegenheit, um einen Blick auf dich selbst zu werfen und dabei eine neue Vision von der Welt zu gewinnen.“ Der Corona-Sommer bietet uns die Chance einer Neubesinnung!

(Die Kolumne erscheint gedruckt auf der vorletzten Inhaltsseite des GT-Info-Juniheftes)

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Mai-GT-Info : Coronale Veränderungen

Meine Ansichtssache im Mai-Heft (from net to print!)

Wenn Tafeln und Betreuungsangebote wegen Corona dicht gemacht sind, trifft das vor allem Kinder aus einkommensschwachen Familien. Je länger Schulen und Kitas geschlossen bleiben, desto mehr verstärkt sich die soziale Ungleichheit. Corona trifft eben nicht alle gleich! Vor lauter Klopapierhamstern und Notstandsromantik muss uns diese soziale Veränderung empören und unsere Kräfte dagegen mobilisieren.

Corona verändert nicht nur das soziale Klima und das Weltklima, sondern auch unsere Verhaltensweisen und Moden. Laut Robert-Koch-Institut beeinträchtigen Bärte die Schutzwirkung von Gesichtsmasken. Kommt jetzt neben der Kontaktsperre auch eine Bartsperre? Von den wilden Haarfrisuren ganz zu schweigen. Schnapsbrennereien werden systemrelevant und wilde Tiere erobern unsere veranstaltungsverwaiste Innenstadt.

Selbstgenähte Mund- und Nasenschützer mit Staubsaugerfließ kommen neben Kaffeefiltern zum Einsatz. Und, ist es nicht paradox: Wir stehen füreinander ein, ohne uns dabei begegnen zu können. Ein „zu-nahe-Treten“ wird mit 200 Euro sanktioniert. „Das Flüstern unter vorgehaltener Hand“ wird zum über die Straße gerufenen Gerücht.

Ostern, Maifeiertage, sogar Urlaube finden zuhause statt, was zu weniger Hauseinbrüchen und Unfalltoten führt. In der Isolation lernen wir uns ganz neu kennen: Beim Wocheneinkauf nehme ich z.B. kein Rückgeld mehr in Empfang – schließlich trage ich noch Bart und gehöre zur Risikogruppe alte Männer.

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Meine GT-Info-Kolumne: April, April …

Sicher haben Sie auch als Kind die Erwachsenen gern am 1. April verhohnepiepelt und in den April geschickt!? Oftmals fällt mir jetzt als in die Jahre gekommenes Kind auf, dass unsere Zivilgesellschaft in Anlehnung an diesen Kinderscherz ganz ähnlich von Firmen, Institutionen, Parteien und Verwaltungen aufgezogen wird.

Heißt es nicht auch: „April, April . . .“ , wenn es um das klammheimliche Fällen von Bäumen (Rathaus, Marktplatz u.a.), die immense Kostensteigerung bei öffentlichen Bauprojekten (Gesamtschule III, Stadthalle, Feuerwache u.a.) oder die prognostizierten Schülerzahlen an Grundschulen geht?

Manchmal habe ich sogar den Eindruck, dass selbst unsere gewählte Ratsvertretung von der Verwaltung in den besagten Frühlingsmonat geschickt wird. Nur ein Beispiel: Jedes Jahr vor den Haushaltsberatungen wird von der Kämmerin ein beunruhigendes Szenario aufgebaut. Die Einnahmesituation unserer Kommune sei nicht so rosig wie erwartet. Kurz vor der entscheidenden Ratssitzung heißt es dann, den bisherigen Beratungen zum Trotz, überraschenderweise: „April, April . . .“ es sei nun doch noch mehr Geld im Stadtsäckel!

Glaubwürdiger wäre es, wenn Zivilgesellschaft und Politik außerhalb des 1. Aprils an 364 Tage nicht in den April geschickt würden.

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Meine Februarkolumne im GT-Info

Ansicht – Kalendarium Lobhudel

Ob die Weltgesellschaften eine Allianz gegen Erderhitzung und Umweltzerstörung hinbekommen, ist wohl eine Jahrhundertaufgabe. Was die Welt im Konkreten rettet, ist immer noch das stille und vor allem nachhaltige Engagement vor Ort. Dazu gibt es in unserer Stadt jedes Jahr eine lobenswerte Anleitung:

Im Umweltkalender des Fachbereichs Umweltschutz und der GEG findet man nicht nur seine Müllabfuhrtermine sowie die Öffnungszeiten des Entsorgungspunktes, sondern auch Sondertermine für kompostierbare Gartenabfälle, für Laubsäcke- und Schadstoffsammlungen, für die Aktenvernichtung oder auch die Route des Schadstoffmobils. Ferner sind im Kalendarium Termine der Energieberatung, des BUND, der GNU, des NABU, der VHS, der Aktion Rumpelkammer, der Staudentauschbörse und des Imkervereins eingepflegt. Und, man höre und staune, 2020 finden sich zum ersten Mal auch die Treffen der Bürgerinitiative Energiewende eingedruckt. Damit nicht genug. Auf den Rückseiten gibt es jährlich aktualisierte Informationen zu diversen Umweltthemen. Ein unentbehrlicher Ratgeber für das ganze Jahr!

Wenn viele sich allein an diese Vorschläge halten würden, könnte die Erde eine Lebensgrundlage für uns Menschen und alle andere Lebewesen bleiben. So entscheidet sich die Jahrhundertaufgabe im Kaff und nicht erst im Kosmos.

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Malerwettstreit im GT-Info 2/20

In der Antike gab es die Olympiade, im Mittelalter den Sängerwettstreit und heute im TV das Supertalent. Allen gemeinsam ist der Kampf um das Beste, etwa um sportliche, dichterische, künstlerische, musische, handwerkliche oder andere kulturelle Leistungen.

Im Rahmen der Vorbereitungen um den vierspurigen Ausbau der B 61 zwischen Rheda, Gütersloh und Bielefeld kam es zunächst ohne Ansage zu einem Wettstreit – der Maler.

In einer Nacht- und Nebelaktion bepinselten Gegner des Straßenausbaus viele Alleebäume symbolträchtig mit weißer Farbe. Wenig später reagierten die Straßenmeisterei-Künstler, indem sie schwarze Folien über die Widerstandszeichen wickelten, angeblich um die AutofahrerInnen nicht zu gefährden.

Die Reaktion der Gegner blieb nicht aus, man entfernte die Folie, so dass die Pinselstriche wieder sichtbar wurden. Nun reagierten die behördlichen Maler mit dem Auftragen einer Kalk-Mineral-Mischung, die die Baumstämme in Mannshöhe weißten.

Die Aktionskünstler nutzten daraufhin die weißen Stammleinwände für ihren nun in schwarzer Farbe aufgetragenen Protest. Eine weitere kunstvolle Gegenmaßnahme steht noch aus.

Schon damit wir noch lange Betrachter dieses Kunstwettstreits im öffentlichen Raum sein können, wäre es geraten, die Alleebäume stehen zu lassen!

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Kaffeesatzleserei an Silvester

Meine Kolumne im GT-Info Dez.19/Jan.20

Es ist ein alter Brauch, in der Silvesternacht mit Hilfe eines Orakels in die Zukunft zu schauen. Besonders beliebt war das mittlerweile verbotene Bleigießen. Zum Glück gibt es harmlose und genauso vergnügliche Alternativen. Als Bleiersatz kommt Kerzenwachs oder Lebensmittelzinn in Frage. Ganz ohne Dämpfe geht es dagegen mit alternativen Orakelformen aus Großmutters Zeiten: Karten- oder Kaffeesatzlesen. Wenn man nun nicht nur für Freunde und Familie orakelte, sondern die Zukunft unserer Stadt dabei deuten würde, was käme da zum Vorschein?

Gäbe es neben dem digitalen Aufbruch auch einen sozialen, der Armut und Wohnungsnot ernsthaft beheben möchte? Würden uns die Karten eine glaubhafte Verkehrswende mit der Aussicht auf kostengünstigen Nahverkehr und eine überzeugende Infrastruktur für ÖPNV und Radverkehr vorlegen? Zeigte der geschmolzene Wachs einen stark erhöhten Anteil der Stadtwerke an selbst erzeugten erneuerbaren Energien? Bekommen wir nach der Kommunalwahl einen deutlich jüngeren und vielfältigeren Stadtrat, einen Zukunftsausschuss und einen Stadtbürgerrat?

Ein Orakel richten sich an eine höhere Instanz mit vermutetem Weitblick. Es wird nicht sagen: Alles bleibt beim Alten.

(Foto: Stahlschmelze, Lange Nacht der Kunst 2018)

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Meine Kolumne im 2. Dezember-GT-Info

Angesichts der unübersehbaren Paket- und Päckchenlieferungen glaubt wohl kein Kind mehr, dass Weihnachtsgeschenke vom Weihnachtsmann gebracht werden. Auch das Christkind bedient sich der Bringdienste, die überwiegend im gelben Gewand durch die Straßen irren und im himmlischen Internet bestellte Waren ausspucken.

Nicht nur im Advent benutzen mich diese Himmelsboten als Knecht, denn als Pensionär bin ich fast immer zu Hause.

Es schellt: „Bei Ihrem Nachbarn ist keiner da, darf ich „das“ solange bei Ihnen parken?“ Angesichts der sich in meinem Flur stapelnden Pakete frage ich mich, ob ich diesen Dienst bis Weihnachten leisten kann. Schließlich holen die wenigsten ihre Bestellungen ab, sodass ich sie des öfteren über hundert Meter schleppen muss, ohne zu wissen, ob einer öffnen wird.

Bei einer schweren Lieferung habe ich mir unlängst eine Sackkarre ausleihen müssen. Und was tue ich bei verschickten lebenden Tieren? Öffnen, füttern?

Als ich einen DHLer gestern fragte, ob ich nicht als Teilzeitzusteller Anspruch auf einen Teil seines Lohnes habe, meinte er: „DHL heißt doch ´Du Hilfst Liefern´! So können Sie doch recht ungezwungen mit Ihren Nachbarn ins Gespräch kommen!“

Okay, wenn ich das als Belohnung ansehe, helfe ich im Advent besonders gern! Schade nur, dass bald abschließbare Lieferboxen installiert werden sollen.

(Dank an den Ideengeber und Freund: Norbert!)

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