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4. Fortsetzung meiner 68er Biografie

Alle Medien berichteten im vergangenen Jahr überschwänglich, was sich 1968, vor etwa 50ig Jahren, in der BRD als Aufbruch in eine neue Zeit „abgespielt“ haben soll. Wie war das Leben von Jugendlichen in dieser Zeit, die nicht in den Metropolen studierten? Ich war einer davon. 1968 wurde ich neunzehn Jahre alt, musste noch zwei Jahre bis zur Volljährigkeit warten!schattenreich

Die Konflikte mit unseren konservativen Eltern nahmen stark zu, als das Interesse am anderen Geschlecht wuchs. Meine erste große Liebe (den ersten vorsichtigen Kuss mit einer Nachbarstochter zähle ich nicht dazu) wuchs 1966 nach der Realschulzeit  behutsam heran. Eine Mitschülerin aus der parallelen Mädchenklasse fing mein Herz ein. Es folgte ein erster Blick, eine erste Berührung und unzählige Briefe, die wir uns schrieben. 1967, in unserer Ausbildungszeit, waren wir dann ein festes Pärchen und sahen uns mehrfach in der Woche und an jedem Wochenende.

Der Aufenthalt in der elterlichen Wohnung bot uns jedoch nicht die Freiheit, die unsere erste Liebe benötigte. Der Kinsey-Report, Oswalt Kolles Bücher und Filme, die Bravo Aufklärungsseiten und die Berliner Kommunen erweckten in uns Seiten, die unsere Eltern nicht nachvollziehen konnten. Aus Angst, dass wir vor Volljährigkeit und Ehe Sex haben könnten und eine Schwangerschaft provozierten, führte zu einem fast totalen Aufenthalts-verbot auf unseren Jugendzimmern.

In Ermangelung von Intimsspäre eroberten wir bei Wind und Wetter  Wälder, Friedhöfe,  Baustellen und Gärten mit schützenden Trauerbuchen und Gartenhäusern. Besonders im Winter 67/68 schmiedeten wir, während wir uns gegenseitig auf einem Heizungskeller-fensterrost wärmten, Fluchtgedanken aus diesem liebesfeindlichen Umfeld.

(demnächst mehr)

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